Das Debattierduell 3.0

Am 5. Juni 2018 war es wieder so weit: die Studierenden und Mitglieder des Georg-Büchner-Debattierclubs der Justus-Liebig-Universität forderten die Prfessor/innen zum drittem Mal zu einem Debattier-Duell heraus. Dieser verbale Wettstreit lief, wie in den Vorjahren auch, nach bestimmten Regeln ab, die dem Publikum vor der Debatte präsentiert wurden.
Die Professor/innen bilden das eine Team und die Studierenden das andere. Jeder darf 7 Minuten sprechen und soll innerhalb dieser Zeit mit Argumenten davon überzeugen, weshalb seine Seite Recht hat. Die Teams sprechen abwechselnd. Dem Publikum kam erneut die ehrenvolle Aufgabe zuteil, das Thema mittels Applauses zu entscheiden und überdies auch, das Gewinnerteam zu küren. Für welche Seite Professor/innen und Studierende reden wurde per Münzwurf entschieden.
Das Publikum entschied mit eindeutiger Mehrheit für das Thema „Brauchen wir eine volldigitalisierte Uni von der Immatrikulation bis zum Abschluss?“. Der Münzwurf entschied, dass die Studierenden auf der Seite der Regierung (Pro) und die Professor/innen auf der Oppositionsseite (Contra) argumentieren sollten. Die Vorbereitungszeit der Redner/innen wurde auch dieses Jahr wieder zur Erklärung der Regeln und Vorstellung der Ehrenjury genutzt.


Dann ging es ins Wortgefecht. Maria Spiess eröffnete die Debatte und beklagte, dass durch mangelnden Zugang zu Materialien die Produktivität der Studierenden leide und durch eine digitalisierte Uni erhöht werden könne, was nicht zuletzt auch die Motivation sowohl der Studierenden als auch der Lehrenden heben würde.
Prof. Dr. Vogel hatte dem entgegenzusetzen, dass nicht nur die Beschaffung der Literatur erleichtert würde, sondern auch das persönliche Miteinander und der verbale Austausch zwischen Studierenden selbst und den Professor/innen darunter leiden würde. „Es gibt keine guten Gründe, auf Vorteile der face-to-face-Kommunikation zu verzichten, und dafür kann man auch ruhig mal ein paar Kilometer mit dem Regionalexpress fahren.“
Genau darauf sprang der zweite Redner der Studi-Seite, Mathias Hummel, an. Denn die sogenannten Nerds stünden ja nicht auf die face-to-face-Kommunikation und wären glücklich über die Möglichkeiten, die die digitalisierte Uni böte. Außerdem stärke es die Persönlichkeitsentwicklung und soziale Kompetenz, wenn man seine Zeit frei einteilen könnte und nicht an Anwesenheitspflicht gebunden sei. „Dort, wo ich von einem Professor beschallt werde, werde ich meine Persönlichkeit nicht entfalten, sondern vielmehr in der Freizeit, wo ich Interakteur bin.“ Und denjenigen, die motiviert in die Uni gehen wollten, wolle man dies ja auch gar nicht verwehren.

Für diese „Steilvorlage“ bedankte sich Prof. Dr. Ahrens, der die zuvor genannten Nerds nicht als großen Teil der Gesellschaft anerkennen wollte, woraufhin Mathias Hummel sofort einwendete: „Nerds sind keine Minderheit“ und damit die Lacher des Publikums auf seiner Seite hatte. Wichter war für Professor Ahrens, der bereits die ganze Debatte hindurch durch Gegenfragen Präsenz zeigte, hingegen, dass die Universität ein „Ort der Gesellschaft“ ist und die Studierenden nicht nur zu „verkopften Experten“ erzogen werden sollten, sondern zu mündigen Bürgern und dass die digitalisierte Uni dazu führen würde, „Antiexperten“ heranzuzüchten.
Das wollte Philipp Heilmann, Schlussredner der Regierungs-Seite, nicht auf sich sitzen lassen und widersprach dem Negativbild. „Menschen werden auch weiterhin Teil der Gesellschaft sein. Dass man sich Vorlesungen anhören kann, wann man will und nicht morgens um acht wie ein Zombie im Hörsaal sitzen muss, wird daran nichts ändern“ und bekräftigte noch einmal den Punkt der Studierenden, dass die Präsenzuni in der heutigen Zeit überflüssig und kontraproduktiv sei.
Als letzte Rednerin des Abends konterte Prof. Dr. De Nève, dass die Volldigitalisierung dazu führe, dass Studierende zu Produkten degradiert würden und der direkte, persönliche Austausch nur noch eine sekundäre Rolle spiele. Zudem sei Deutschland „digital unterentwickelt“, sodass eine Volldigitalisierung gar nicht möglich sei Sie schloss ihre Rede damit, dass es nicht ausreiche, nur einen Laptop zu besitzen. „In dieser Universität des digitalen Neulands hätte Angela Merkel niemals Physik studieren können. Und das wäre sehr schade gewesen.“
Nach diesem einstündigen verbalen Schlagabtausch wurde das Gewinnerteam vom Publikum gekürt. Durch den Applaus mit knapp 10 Dezibel Vorsprung gewannen die Professor/innen auch dieses Jahr wieder das Duell und erhielten die Siegertorte. Unter dem Sitz von Gwendoly Zeuner (z. Zt. Vizepräsidentin des VDCH), ernannte die Ehrenjury Dr. De Nève zur Rednerin des Abends.


Während und nach der Debatte ließen es sich die Professor/innen trotz ihrer Position auf der Kontra-Seite nicht nehmen, Selfies zu knipsen und die Debatte digital festzuhalten.

Wie immer lud der Debattierclub hinterher zu einem gemeinsamen Apéro und Austausch ein.