Debattieren


Das Debattieren ist nicht nur eine Form der kritischen Konversation, sondern für uns auch die Übung von Rethorik, Logik des Redens und der Überzeugungskraft in einer Form des Wettstreits. Die Idee ist sich mit (z.T. unbekannten) Themen auseinander zu setzen, schnell gute Argumente zu finden und diese logisch und in einem relevanten Rahmen eloquent zu präsentieren. Dabei wird nicht ohne Struktur wie in einer Talk-Show durcheinander geredet, sondern die Debatte folgt ziemlich genauen Regeln.

So gibt es eine Pro-Seite (Regierung) und Contra-Seite (Opposition). Je nach Format wird entweder mit drei (offene parlamentarische Debatte) oder vier (british parlamentary style) pro Seite diskutiert. Dabei wird jedem Redner bzw. Team seine Seite zugelost, was die Fähigkeit steigert sich unabhängig seiner eigenen Meinung in ein Thema einzufinden und entsprechend zu argumentieren. Angefangen mit der Seite der Regierung, die mit einem Antrag den status quo verändern will, folgen im Wechsel die Reden, sodass auf die Regierung die Opposition, auf diese die Regierung usw. reagieren. Jeder Redner hat eine 7-minütige Redezeit, die er mit Argumenten der eigenen Seite, aber auch mit dem Widerlegen der Argumente der Gegenseite füllen muss.

Nachdem jeder einmal geredet hat, entscheidet eine Jury welcher Seite es besser gelungen ist, seine Seite zu vertreten und die Gegenseite argumentativ unter Druck zu setzen. Dies wird anhand von Kriterien wie Sprachkraft, Sachverstand, Urteilskraft, Auftreten und Kontaktfähigkeit ermittelt. Bei der Bewertung der Debatte werden nicht nur die Einzelrednerleistungen berücksichtigt, sondern auch wie das Team insgesamt aufgetreten ist z.B. ob die Argumentation stringent und ob eine gemeinsame Linie zu erkennen war.
Zwar hat jeder Redner seine eigene Redezeit, um sich seinen Argumenten zu widmen, das bedeutet aber nicht, dass es immer ruhig zu geht, denn es dürfen Zwischenfragen von der Gegenseite gestellt werden oder Zwischenrufe eingebracht werden.

Die Themen einer Debatte sowie die Seite der Teams werden den Debattanten meist erst 15 Minuten vor Debattenbeginn mittgeteilt, sodass ohne Hilfsmittel sich schnell in das Thema eingefunden werden muss und wichtige zentrale Argumente aus dem Stehgreif gefunden werden müssen. Die Themen sind dabei nicht besonders speziell, sondern eher allgemein gehalten, sodass sich mit einem durchschnittlichen Allgemeinwissen Argumente finden lassen. Bspw. werden Themen wie „Sollte Marihuana legalisiert werden?‟, „Sollte Abtreibung verboten werden?‟, „Sollte der Krankenkassenbeitrag am Lebensstil bemessen werden?‟ oder „Sollte der Weihnachtsmann abnehmen?‟ debattiert.

Das Trainieren der eigenen rethorischen Fähigkeiten und des logischen Argumentierens findet immer mehr Begeisterung unter jungen Menschen, sodass die studentische Debattierszene stark wächst und der VDCH (Verband der Debattierclubs an Hochschulen) mittlerweile mehr als 70 Clubs zählt. Wer nicht nur im örtlichen Club seine eigenen Fähigkeiten in Ruhe trainieren will, sondern auch den rethorischen Wettstreit sucht, der kann bei regelmäßig stattfindenden Tunieren deutschlandweit seine Fähigkeiten mit anderen Clubs messen.

Alles in allem ist das Debattieren eine rethorische, intellektuelle und sportlich-organisierte Form des Diskutierens in die sich jeder einbringen kann.